Seit 2010 lebe ich in Irland und am Anfang dachte ich, ich lebe in einem Land mit einer Pressefreiheit, einem Land wo die Medien zwar staatlich sind oder in privater Hand aber fei und unabhängig berichten können. Seit dem 7. Oktober 2023 bin ich mir da nicht mehr so sicher.

Unser Rundfunk heißt Raidió Teilifís Éireann oder kurz und knapp RTÉ. Der versorgt uns mit allem was wir wissen und nicht wissen müssen. Er hat ein reichhaltiges Programm und mit TG4 einen Partnersender für das Nischenprogramm in irischer Sprache. Als ich damals ein Hurling Match auf TG4 verfolgte, dachte ich erst ich hätte einen niederländischen Kanal eingestellt, bis ich feststellte, dass ich einen irischsprachigen Sender schaute.

Geht es um Israel ist scheinbar alles erlaubt

Eigentlich kann man sich nicht beklagen, bis auf die Tatsache, dass das Fernsehen bei uns über Postgebühren bezahlt wird. Man geht entweder in’s AnPost Office oder auf die Webseite, bezahlt seine Lizenz und gut ist. Eine Zeitlang gingen Inspektoren von Haus zu Haus, klopften oder schauten ob sie eine Antenne auf dem Dach fanden und hinterließen ein Schreiben, meist gleich mit Strafandrohung. Nun, wir haben keinen Fernseher, nie einen gehabt und den, den wir haben nutzen wir nicht für öffentliches Fernsehen, sondern für Filme und ich sehe nicht ein, warum ich dafür zahlen soll wenn wir nicht mal einen Anschluß haben, was AnPost wohl egal ist…uns auch. Im Moment bauen wir eh noch am Haus und das wird noch dauern bis wir uns über gemeinsame Fernsehabende Gedanken machen.

Aber zuück zu RTÉ. Wie ich eingangs schrieb habe ich, was die Berichterstattung in diesem Land betrifft, eher den Eindruck, dass wir in einer Autokratie leben. Wenn RTÉ über den Nahen Osten berichtet dann weiß man wer der Schurke und wer das Opfer ist. Schuld ist immer der Jude und wenn er es nicht ist, dann sucht man sich jemanden der in die Kamera blickt und mit traurigem Gesicht verkündet was die Juden jetzt wieder angestellt haben. Denkt man, dass wäre bei der Presse anders, dann sieht man sich getäuscht. Es ist höchst selten, dass die Irish Times oder der Independent ausgewogen berichten wenn man doch in Israel die Mutter aller Konflikte sieht. Und man scheint irgendein Gentlemenagreement zu haben mit den Politikern in diesem Land. Vier Artikel über Politiker frei, die sich von der Seele reden können wie scheiße sie Israel finden, zwei Artikel über die Schattenwirtschaft der Regierung und dafür ein Artikel frei, damit der Journalist die Parteien durch den Dreck ziehen kann. Das sind dann die Artikel weswegen ich damals die Times abonniert habe, denn sie scheuen sich dann auch nicht vor Gericht zu ziehen.

Der Ton ist schärfer geworden und wie eingangs erwähnt, seit 2023 findet in den irischen Medien eine einseitige Berichterstattung statt wenn es um Israel geht. War 2010 und die Mavi Marmara noch kurze Einspielungen wert, so ist mittlerweile jeder Stein, der in der Westbank oder im Gaza von einem Hausdach fällt einen mehrminütigen Beitrag wert. Israelische Gäste in den Sendungen von RTÉ werden wie in einem Schautribunal vorgeführt und der hochnotpeinlichen Befragung unterzogen, Fakten spielen dabei keine Rolle. Und so ist es kein Wunder, dass sich unser Sender verhält als wäre Irland Kuba und würde in der Karibik und nicht in Europa liegen. Im Moment hat man sich gegen die deutschen Behörden in Stellung gebracht. Nicht nur wurde der Fall einer Pro-Palästinensichen Aktivistin, die die deutsche Polizei als Nazis bezeichnete und sich ihrer Verhaftung widersetzte, rauf und runter durch die Medien gehetzt, und natürlich bekam sie auch Sendezeit auf RTÉ, wo sie sich als unschuldiges Opfer darstellen konnte, dass von der Gestapo, pardon von der Berliner Polizei, verhaftet wurde.

Die deutsche Botschaft in Dublin mutiert mittlerweile zu einer Pilgerstätte für all die Pro-Palästina Aktivisten die glauben, dass für sie die Gesetze nicht gelten, besonders wenn es um die Bundesrepublik Deutschland geht, wo auch schon mal unser Taoiseach interveniert oder die Oppsitionsparteien wie Sinn Féin, People before Profit oder Independent 4 Change von den deutschen Behörden fordern Iren, die von der deutschen Polizei festgenommen wurden, sofort auf freien Fuß zu setzen, denn Gewalt gegen Juden ist in ihren Augen kein Straftatbestand sondern Notwehr. Und so ist es kein Wunder, dass der Vater des verhafteten Daniel Tatlow‑Devally, Connor Devally auf RTÉ Redezeit bekam. Und natürlich durfte auch der selbsernannte Journalist Hanno Hauenstein in dem Gespräch nicht fehlen und seinen Unmut über die deutschen Behörden äußern.

Connor Devally, selbst Rechtsanwalt hier in Irland, führte auch einen Protestzug vor die deutsche Botschaft in Dublin und warf der deutschen Justiz vor sie würde Recht beugen. Er sprach davon, dass die Bundesregierung einen blinden Flick habe weil es ja „nur“ um Israel geht und offenbarte ein seltsames Rechtsverständnis für einen Anwalt. So behauptet er, „Man hat angefangen, es als 129er-Aktion zu bezeichnen, was so wäre, als würde man hier das Gesetz gegen Staatsverbrechen gegen einen ein Haufen Jugendlicher, die in eine Tierarztpraxis oder so etwas eindringen. Äh, das ist einfach völlig übertrieben.“ Nein, das ist es nicht, hätte er sich mit dem Paragraphen beschäftigt, seine Frau ist ja Deutsche, und hätte er sich über den Hintergrund der Gruppe schlau gemacht ist der Paragraph geschaffen worden, um die Bildung einer Vereinigung zu verfolgen, die zu dem Zweck gegründet wurde Straftaten auszuüben. Es geht hier also nicht um ein paar Jugendliche die sich organisieren, um den Krämer an der Ecke zu überfallen. Die 5 haben einen Sachschaden in Höhe von über einer Millionen Euro verursacht, einige der Gruppe sind geflohen denn es ist offensichtlich, dass außer den fünf weitere Personen daran beteiligt waren und das Objekt ausgespäht haben und ein 32 Jahre alter Mann sollte sich den Konsequenzen bewußt sein und nicht damit argumentieren, dass die Aktion deswegen gerechtfertigt gewesen sei weil Elbit Systems ein israelischer Rüstungskonzern ist.

Die Gruppe, der Ulm5, angehört ist die Palestine Action, in Großbritannien gegründet wurde sie bis zur Aufhebung durch den obersten Gerichtshof als Terrororganisation geführt. Es geht diesen Leuten nicht um Israel sondern es geht ihnen darum, dass Israel endlich von der Landkarte verschwindet. Wer also nicht weiß was die Shoah war, der sollte einfach den Mund halten. Es ist völlig egal ob Elbit israelisch ist, als damals jüdische Altenheime in Deutschland Ziel von Anschlägen linker Gruppen wurden, da war die Argumentation die Gleiche. Und Mr. Devally sollte sich überlegen wie er darauf reagiert wenn Aktivisten in ein Regierungsgebäude in Dublin einbrechen, um Akten zu vernichten, die Hinweise über IRA Aktivitäten im Land beinhalten. Würde er das auch als Kinderstreich bezeichnen oder ist er schon so ideologisch verstrahlt, dass es für ihn Ordnung ist wenn Juden wieder das Ziel sind. Übrigens hat sich die Bundesrepublik die Mühe gemacht die NS-Zeit aufzuarbeiten, es gibt zwar noch Dinge zu tun, aber man hat gelernt, dass das nie wieder stattfindet. Und was den angeblichen Genozid betrifft. Seit 1948 wird Israel regelmäßig vorgeworfen einen Genozid und ethnische Säuberung zu begehen, Israel muss also sehr lausig gewesen sein wenn sich die Bevölkerung rasend vermehrt, auch das ICJ hat keinen Genozid festgestellt, als Anwalt sollte er sich vielleicht mal mit der vorläufigen Entscheidung befassen. Die besagt, dass die Palästinser das Recht haben von einem Völkermord verschont zu bleiben, nicht dass es einen gibt.

Es wäre für Connor Devally gut sich vielleicht mal mit der jüdischen Geschichte dieses Landes auseinanderzusetzen. Mit Sinn Féins Rabbi, mit dem Organisator von Michael Collins, Robert Briscoe, oder dem Revival der gälischen Sprache und den Verbindungen zwischen den Zionisten und irischen Republikanern.

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