Dorf der Zukunft
Smogalarm im Ruhrgebiet  © Friedrich Stark/Imago
Die verklärte Romantik der Dreckschleudern

Im 21. Jahrhundert stehen die Menschen vor gewaltigen Herausforderungen. Kriege, Hungersnöte und Flüchtlingsströme begenen uns täglich in Medien. Der Aufstieg einer längst untergegangen geglaubten Epoche feiert ihr fröhliches Revival, und so machen sich Populisten auf die Gesellschaft wieder in die dreißiger Jahre zu bringen. TGrump macht sich in Davos über Europas Energiepolitik lustig und verdrängts dabei, dass ein Staat Kalifornien in der alternative Energiegewinnung nicht nur weit vorne ist, sondern auch bis 2030 erreichen will eine Millionen neuer Jobs zu kreieren.

Staaten wie Texas oder South Dakota haben die Alternativen beschleunigt, besonders Texas gat massiv ausgebaut. Und da ist dann ein Präsident der noch von der Romantik der Jahrhundertwende träumt, als auf Farmland im Hintergrund eine Ölbohranlage stand und die Bevölkerung mit dem Achtzylinder zum Diner fuhr. Genau das schwebt auch europäischen Populisten vor. Öl und Gas aus Russland, Ausbau der Autoindustrie, weg von Hybrid und EV’s. Mehr Kohle und mehr Atomkraft so stellen sie sich die Zukunft vor. Das groteske an der ganzen Sache ist – ich bin in den siebziger Jahren aufgewachsen, der Rhein war eine einzige Kloake weil jeder Industriebetrieb, der am Rhein lag, seinen Dreck ungefiltert reinpumpte (BASF, BAYER und Henkel). Die Fische schwammen auf dem Bauch, nicht weil sie beschlossen hatten, es mal alternativ zu versuchen, sie waren ganz einfach verendet. Es gab den sauren Regen, Pseudokrupp bei Kindern und je nachdem wie der Wind stand, waren ganze Städte im Industrienebel verschwunden. Ich entwickelte damals eine Industriestaub Allergie und je nachdem, wie der Wind in Bad Godesberg stand nieste ich mir die Seele aus dem Mund.

Waldsterben durch sauren Regen

Dann kam noch das berühmte Ozonloch hinzu. FCKW, ein Gas was unter anderem für Kühlschränke produziert wurde, wurde in die Atmosphäre entlassen. Erst Ronald Reagan und Margareth Thatcher begann damit ein Verbot von FCKW durchzusetzen. Auch das Thema Asbest wurde drängender denn beim Bau von Gebäuden legte man keinen gesteigerten Wert auf die Gesundheit der Bewohner und musste später die Gebäude entweder teuer sanieren oder abreißen. Ja die schöne alte Zeit, als man mit dem Fahrrad oder zu Fuß auf der A5 bei einem Spaziergang von Karlsruhe bis Stuttgart sein Wochende verbringen oder mit Fahrrad bis nach Weil am Rhein radeln, klingt lustig war aber so.

Die Ölkrise ermöglichte nicht nur die alternative Wochenendgestaltung mit Fußballspielen auf der Überholspur sondern brachte auch das Konzept des E-Antriebs wieder in die Medien. Das ist die Zeit die siesen Leuten vorschwebt und es ist erstaunlich, dass gerade Menschen meiner Generation diesen Zeiten offensichtlich nachtrauern wenn sie von einer Links-Grünen Diktatur sprechen. Und da besonders jüngere Generationen glauben, dass das eine erstrebenswerte Zukunft ist läßt am Verstand dieser Leute zweifeln und wirft die Ernsthafte Frage auf ob die Bildung mittlerweile ein Niveau erreicht hat bei der sich Gehirne zurückentwickeln. Irgendwo habe ich mal gelesen dass ein Hauptschulabschluss, in den siebziger Jahren gemacht, Heute einem Abitur vergleichbar ist. Nun mag es zwar übertrieben gemeint sein aber manchmal bekomme ich Zweifel.

Die Auswirkungen der Luftverschmutzung Foto: Umweltprotest vor der RWE-Hauptversammlung in der Gruga-Halle, Essen, 28. Februar 1985 c Manfred Scholz/Fotoarchiv Ruhr Museum
Das BGE: Würde ist kein Almosen

Leider ist es wieder so, wir leben in einer Zeit, in der der Mensch oft nur noch als Funktionseinheit wahrgenommen wird. Wer „funktioniert“, darf teilhaben; wer durch Krankheit, Alter oder Schicksalsschläge aus dem Raster fällt, landet in den kalten Mühlen der Bürokratie. Ich habe diese Kälte erlebt – von den gläsernen Palästen der Tech-Giganten bis hin zu den besinnungslosen Bescheiden der Sozialbehörden. Von daher ist es Zeit, die Stadt und die Gesellschaft neu zu denken. Nicht als Profitmaschine, sondern als Lebensraum. Ich bin mir durchaus bewußt, dass es wie eine Utopie klingt, aber wir haben die Technik und die sollten wir konsequent nutzen. Die wurde entwickelt um das Leben einfacher zu machen, nicht um es zu verkomplizieren. Egal wieviel Maßnahmen die Regierungen noch auf den Weg bringen wird es nicht mehr Arbeit geben und nicht für alle. Statt neu zu denken, hängt man in alten Mustern fest nach der Devise „wer essen will soll auch arbeiten.“ Das mag vor 100 Jahren funktioniert haben, spätestens seit den siebzigern weiß man, das die Globalisierung und der technische Fortschritt ganze Produktionszweige obsolet gemacht hat. Statt darüber nachzudenken wie man die Arbeit anders gestaltet hat man ganze Legionen von Arbeitnehmern entweder in prekäre Arbeitsverhältnisse gedrückt oder durch Zwangsmaßnahmen hieingepresst. Über die Folgen hat man sich keine Gedanken gemacht.

Der größte Streitpunkt unserer Zeit ist die Finanzierung der Existenz. Kritiker behaupten, ein BGE sei unbezahlbar. Das Gegenteil ist der Fall.

Das Bedingungslose Grundeinkommen (BGE) ist die Antwort auf diese Kälte:

  • Effizienz statt Bürokratie: Wir verschwenden Milliarden, um Armut zu verwalten und Menschen zu drangsalieren. Ein BGE macht Arbeitsministerien und Kontrollapparate obsolet.
  • Echte Freiheit: Niemand sollte arbeiten müssen, nur um essen zu dürfen. Technik wurde entwickelt, um das Leben einfacher zu machen. Wenn Maschinen die Arbeit übernehmen, muss der Gewinn an die Menschen fließen – nicht nur an die Konzerne.
  • Das Ende des Sozialneids: Wenn jeder die gleiche Basis hat, fällt der Sündenbock weg. Wir müssen aufhören, die „Aufstocker“ gegen die Arbeitslosen auszuspielen.

Ein Bedingungsloses Grundeinkommen macht den gigantischen, menschenfeindlichen Apparat der Arbeitsministerien und Kontrollbehörden überflüssig. Wir hören auf, Armut mit Milliardenaufwand zu verwalten und zu sanktionieren. Stattdessen geben wir das Geld direkt an die Menschen.

  • Echter Arbeitsmarkt: Arbeit wird wieder zu einer freien Entscheidung. Unattraktive Jobs müssen besser bezahlt werden, weil niemand mehr gezwungen ist, seine Würde für einen Hungerlohn zu verkaufen.
  • Soziale Sicherheit: Niemand muss mehr von 24 Euro im Monat leben oder Angst haben, dass ein bürokratischer Fehler die Existenz vernichtet.

Es würde den Weg frei machen für eine bessere Gesellschaft, weg von der Idee, dass nur essen darf wer arbeitet. Das soziale Gefüge wäre ausgeglichener und Leute die von Sozialleistungen abhängig sind hätten ihre Würde zurück. Im Moment ist die Situation so, dass selbst Menschen die in prekären Verhältnissen leben und Aufstocker sind auf diejenigen die nicht arbeiten, arbeiten können oder arbeiten wollen herunterblicken. Wenn jeder den gleichen Grundbetrag erhält fällt das weg. Es würde zwar die Medien hart treffen, die mindestens einmal im Monat den Sündenbock durch’s Dorf treiben, denn sie hätten keine Munition für ihre Sendung und könnten nur noch das BGE negativ kommentieren.

Oase zwischen Beton
Geisterstädte und völkische Siedler

Die Wiederbelebung der Städte wäre auch ein Punkt den eine moderne Gesellschaft umsetzen sollte. Heute habe ich gelesen, dass Neonazis teils verlassene Dörfer und Höfe im Osten der Bundesrepublik aufkaufen und ihre völkischen Ideen dort um- und durchsetzen. Das ist kein neues Phänomen und passiert schon seit Jahren wenn nicht Jahrzehnten. Die Regierung hat sich darum nie gekümmert und die Menschen, die dort noch leben, praktisch im Stich gelassen. Die verbleibende Bevölkerung wird gemobbt bis sie entweder aufgibt und wegzieht oder sich ihrem Schicksal ergibt und wegschaut, um nicht mit Ärger konfrontiert zu werden. Wir sehen es in den Kommentarspalten demokratischer Parteien oder Organisationen wie der Amadeu-Antonio Stiftung. Da gibt sich das Deutschnationale Pöbelpack die Klinke in die Hand und wenn man sich die Profile anschaut dann leben diese Leute in „Dunkeldeutschland“, wie es der ehemalige Bundespräsident Joachim Gauck einst formulierte.

Und nicht nur im Osten Deutschlands sind Dörfer vor dem Verfall, auch im Westen gibt es Gegenden die von ihren einstigen Bewohnern verlassen werden, so das zumeißt nur Alte dort leben. Wäre eine Regierung daran interessiert, dass Leben dort zu stärken, müsste man diese Gebiete stärker fördern. Eine Genossenschaft im Dorf wäre ein Anreiz sich dort niederzulassen. Die neuen Bewohner könnten sich und ihre Arbeitskraft durch das BGE einbringen, Häuser instandsetzen, Handwerksbetriebe gründen, selbst kleine Firmen wären möglich. Dazu bedarf es aber die konsequente Umsetzung des digitalen Ausbaus auf dem Land. Es wäre eine neue Bewegung der Stadtflucht. Menschen sind gezwungen sich in Städten oder am Rande niederzulassen. Und ich kann mich noch erinnern als durch die Globalisierung Arbeitsplätze wegfielen und die Leute nicht mal eben der Arbeit hinterherreisen konnten, da sie Familie dort hatten und viele von ihnen ein Haus besaßen. Die Politiker und Arbeitgeber haben sie als unflexibel bezeichnet, statt Alternativen zu schaffen. Der Wohnraum in den Städten wird immer teurer und das Leben in den Ballungszentren wird immer enger. Die Pendler, die sich morgens auf den Weg zur Arbeit machen sorgen nicht nur für Staus auf den Autobahnen, sie sorgen auch für Staus in den Städten. Konzepte, wie man das Leben lebenswert machen kann scheitern schon im Ansatz weil sich kein Politiker traut das Übel anzupacken, und Lösungen zu präsentieren.

Die Bürger bekommen ja schon Schnappatmung wenn eine Stadt sich entscheidet Fahrradstraßen einzurichten oder Fußgängerzonen. Man redet dann das Ende der Zivilisation bei und mal ehrlich, Park&Ride schafft es nicht mal annähernd, dass sich die Städte beruhigen, das Gegenteil ist der Fall. Immer mehr Flächen werden versiegelt, schafft Wohnraum den sich viele nicht leisten können und gezwungen sind im Umland zu leben, und sich morgens auf den Weg zur Arbeit machen. Ich habe in den langen Jahren Menschen kennengelernt die bis zu 2 Stunden Fahrzeit auf sich nahmen, nur um pünktlich zu Arbeite zu kommen, und wenn sie sich verspätet haben abgemahnt wurden. Der Arbeitnehmer soll flexibel sein, vom Arbeitgeber wird das nicht erwartet, so dass Firmen, die sich als sozial verstehen, mehr Bewerbungen erhalten als Firmen die unflexibel strukturiert sind, und gar nicht auf den Gedanken kommen die Arbeit neu zu gestalten. Um die Städte zu entschleunigen würde ich ein Fahrverbot in den Städten durchsetzen. Neben Park&Ride müßte man ein Konzept der E-Mobilität für Städte entwickeln. E-Busse, den Ausbau von Straßenbahnen, City-Cars als Mietfahrzeuge anbieten. An E-Säulen stehen die Fahrzeuge, man kann sie sich nehmen und damit in die Stadt pendeln, abends stellt man sein Fahrzeug an der Säule ab. Auch Tricycles mit E-Antrieb wären eine Alternative, Anbieter haben sie im Programm mit Schutz für das Wetter und sie bieten teilweise Platz für die Einkäufe. Man müßte allerdings den Mut aufbringen seine Stadt zur Verfügung zu stellen, und ein Pilotprojekt durchführen.

Alternative für Innenstädte

Städte wie Paris, Rom, London und Bologna, um nur ein paar zu nennen, nutzen Verbote, Citymaut und Umweltzonen, um die Städte oder einzelne Stadtteile zu beruhigen, es beeinträchtigt nicht die Lebensqualität wie manche nicht müde werden zu behaupten, im Gegenteil.

Meine Vision ist eine neue Stadtflucht:

  • Digitale Souveränität: Mit High-Speed-Internet und Remote Work können wir entvölkerte Gebiete wiederbeleben.
  • Dorf-Genossenschaften: Unterstützt durch das BGE könnten Menschen Häuser sanieren und Handwerke gründen, ohne Angst vor dem existenziellen Abgrund.
  • Lebenswerte Räume: Wir brauchen keine Pendler-Autobahnen, sondern Medical Hubs auf dem Land und autofreie Zonen mit E-Mobilität in den Städten. Paris und London zeigen, dass Lebensqualität durch Verbote von Verbrennern steigt, nicht sinkt.

Ich lebe seit 2022 auf dem Land, die Schwierigkeit hier ist die Gesundheitsversorgung, das nächste Krankenhaus ist fast 80 Kilometer entfernt, absolut nicht akzeptabel und das einzige Krankenhaus in der Umgebung wurde geschlossen und in ein Nursinghome umgewandelt, ein Ersatz wurde nicht gestellt, dabei ist es eine große Herausforderung wenn man den Willen dazu hat die Bevölkerung auf dem Land in einen demokratischen Staat einzubinden. Man muß keine riesigen Krankenhäuser bauen, Medical Hubs übernehmen die Versorgung, mit einer Kapazität 50 bis 100 Betten ausgestattet und modernen Geräten, damit die Wegzeiten wegfallen, denn wie kann es sein, dass ein Mensch stirbt weil kein Krankenwagen kommt. Und das ausgerechnet Sinn Féin, die eher Entscheidungen blockiert, das Thema versucht im Parlament auszuschlachten ist eine bittere Erkenntnis, denn die Lage ist nicht erst seit 2025 kritisch sondern schon länger. Statt zu lamentieren, kritisieren und abzuwägen braucht es Leute die außerhalb der Norm denken. Während eines Seminars wurde uns der Satz eingebläut, dass es keine Probleme gibt sondern Aufgaben, die sind zu lösen. Auch der Satz „geht nicht, gibt’s nicht“ wird gern und häufig verwendet, die Realität ist aber eine andere. Man findet ständig neue Ausreden um nicht tätig zu werden, dabei zeigen Städte in Italien beispielsweise, dass man Geisterdörfer wiederbeleben kann, wenn die Politiker den Willen dazu haben, dort werden Häuser symbolisch für einen Euro verkauft, dass zieht junge Menschen an und die Städte werden wieder mit Leben gefüllt. Selbst die verbliebenen Dorfbewohner werden in die Kommune integriert, denn nicht nur kann man auf die Erfahrung der Leute bauen, nein man kann für sie auch ein soziales Netz schaffen. Aber der Wille das zu tun, muß von der Politik kommen und statt reden ist handeln angesagt.

Flottenfahrzeuge für Innenstädte sorgen für Entlastung
Fazit: Wir haben die Werkzeuge – nutzen wir sie!

Es ist grotesk: Mein M1-Chip leistet Unfassbares, während unsere Politik in Mustern von vor 100 Jahren denkt. Wir haben die Technik, um ein Paradies der Freiheit und der kurzen Wege zu schaffen. Dass wir es nicht tun, lässt mich am Verstand unserer Zeit zweifeln.

Wir dürfen den Menschen nicht mehr als reine Funktionseinheit sehen. Die Stadt der Zukunft muss ein Lebensraum sein, keine Profitmaschine. Es ist Zeit für einen neuen Solidarismus, der die Technik nutzt, um dem Menschen seine Zeit und seine Würde zurückzugeben.

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