Es ist nicht der erste Aufstand im Iran, damals habe ich mich daran beteiligt, dass die Menschen Zugang zu Twitter – heute X – bekamen und das Regime gestört wurde. Der Protest wurde, wie jeder Protest, blutig niedergeschlagen. Dieser Protest allerdings könnte anders verlaufen denn er findet im ganzen Land und nicht nur in einigen Städten statt. Allerdings, so meine Befürchtung, wird es auch diesmal sehr schwer für die Menschen den Sturz herbeizuführen. Die Führung hat mittlerweile Hilfe aus dem Ausland – Iraq, Libanon – erhalten, die mit den Kettenhunden Teherans Jagd auf die Protestierenden machen.

Die Geschichte der Revolutionen zeigt, dass immer dann, wenn sich das Militär auf die Seite der Unterdrückten geschlagen hat, der Umsturz von Erfolg gekrönt war. Lenin hatte die Soldaten hinter sich als er 1917 in Sankt Petersburg die Revolution ausrief. Jelzin kletterte auf einen Panzer, in Rumänien stellten sich die Soldaten auf die Seite des Volkes und auch in Portugal beendete die Nelkenrevolution die Diktatur und der Kolonialherrschaft.

Im Iran allerdings hat sich das Militär immer rausgehalten, obwohl dort Wehrpflicht herrscht. Bis auf wenige Soldaten, die sich dem Protest anschließen, bleiben ihre Kameraden in den Kasernen, egal wie schlimm die Milizen die Menschen verstümmeln. Warum das so ist liegt an dem perfiden System. Die Armee (Artesh) ist eine Geisel des Regimes und wird intern durch die Pasdaran (IRGC) überwacht. Sie steckt in einem System was man mit dem NKWD im zweiten Weltkrieg vergleichen kann als Politkommissare hinter den Linien standen und auf zurückweichen mit Schüssen auf die eigenen Soldaten reagiert hat. Genau das passiert momentan.

Das Dilemma der Armee auf den Punkt gebracht:

2. Die totale Überwachung (Ideologische Kontrolle)

In jeder Einheit der regulären Armee gibt es die sogenannte „Politisch-Ideologische Abteilung“.

  • In jedem Bataillon sitzen Kleriker und Geheimdienstleute, die die Offiziere überwachen.
  • Ein General kann keinen Befehl zum Überlaufen geben, ohne dass sein Stellvertreter (der oft ein Spitzel ist) ihn sofort verhaften lässt. Die Angst vor Säuberungen und Exekutionen innerhalb des Militärs ist gigantisch.
3. Das Geisel-Prinzip

Die Offiziere der Artesh sind keine Elite wie in anderen Ländern. Sie leben oft in bescheidenen Verhältnissen.

  • Das Regime weiß genau, wo ihre Familien leben. Ein Aufbegehren bedeutet nicht nur das eigene Ende, sondern oft auch das der Ehefrau und Kinder.
  • Zudem werden Truppenteile absichtlich so stationiert, dass Wehrpflichtige nie in ihrer Heimatregion eingesetzt werden. Ein Junge aus Teheran muss in Kurdistan schießen, ein Kurde im Belutschistan. Das soll die emotionale Hemmschwelle senken, da sie gegen „Fremde“ vorgehen.
4. Die Angst vor dem Chaos

Viele Soldaten hassen das Regime, fürchten aber den Zerfall des Iran.

  • Die Propaganda des Regimes hämmert ihnen ein: „Wenn wir fallen, wird der Iran wie Libyen oder Syrien zerrissen.“ * Da der Iran ein Vielvölkerstaat ist, wirkt dieses Argument bei den Nationalisten in der Armee. Sie bleiben „still“, nicht aus Liebe zum Mullah-Regime, sondern aus Sorge um die Integrität des Staates.
5. Das Schah-Trauma des Regimes

Das Regime hat aus dem Sturz des Schahs 1979 gelernt. Der Schah verließ sich auf eine Armee, die am Ende neutral blieb. Die Mullahs haben daraufhin sichergestellt, dass die militärische Führung durch Privilegien und Korruption so tief in das System verstrickt ist, dass sie wissen: „Wenn das Regime fällt, hängen wir als Erste am Baukran.“

Das bedeutet, dass die Menschen auf sich allein gestellt sind. Wie ich oben erwähnt habe, hat das Regime sich Hilfe aus dem Ausland besorgt. Ein Grund, warum die iranischen Wehrpflichtigen oft „still“ bleiben, ist, dass das Regime sie gar nicht erst an die vorderste Front der Unterdrückung stellt.

Der Kalkül: Diese Kämpfer sprechen kein Persisch, haben keine emotionale Bindung zur iranischen Bevölkerung und zögern daher nicht, das Feuer zu eröffnen. Das entlastet die regulären Soldaten von der Entscheidung, auf die eigenen Landsleute zu schießen, während sie gleichzeitig durch die Anwesenheit dieser Fremden eingeschüchtert werden.

Berichten zufolge setzt das Regime im Januar 2026 über 800 Kämpfer der Hisbollah (Libanon) und irakischer Milizen (Kata’ib Hisbollah) ein.

Wenn man also die Menschen von außen unterstützen will dann sollten folgende Dinge versucht werden. Die Möglichkeit , dass die Menschen ungehinderten Zugang zu Informationen bekommen bekommen und kommunizieren können. Das Regime stört massiv die Kommunikation obwohl sie wissen, dass sie sich, besser der Wirtschaft, schaden da niemand mehr Verbindung in’s Ausland aufnehmen kann. Die Maßnahme, dass mobile Fahrzeuge mit Technik ausgerüstet sind, die nicht nur den Satelittenempfang stören sondern auch das aufspüren der Protestierenden ermöglichen. Man müßte von außen mit technischen Mitteln diesem einen Riegel vorschieben. Starlink erfährt ständige Updates, trotzdem bleibt es ein Katz und Mausspiel, nur ein massiver Electronic warfare hilft das Regime nachhaltig zu stören.

Parade der Artesh Quelle Reuters

Die iranische Führung behauptete, dass sie die Situation unter Kontrolle hat, liest man die Medien sieht die Sache anders aus. Berichte von 16.500 Toten (Sunday Times) kursieren, und zeigt zeigt die Verzweiflung.

Die Chance: Die Geschichte lehrt, dass Politkommissare nur so lange funktionieren, wie das System stabil wirkt. Sobald die Soldaten merken, dass das Regime am Ende ist, werden sie die Kommissare als Erste los – genau wie 1917 in Russland oder 1989 in Rumänien.

Die Risse: Wenn die IRGC-Führung öffentlich davor warnt, dass sie gegen „Abweichler in den eigenen Reihen“ vorgeht, dann brennt die Hütte lichterloh.

Um das zu vergrößern greifen die Protestierenden zu psychologischen Maßnahmen, um die Milizen zu verunsichern: „Wir kennen dich“: Aktivisten identifizieren Basidsch-Mitglieder in den sozialen Medien, posten aber nicht nur Drohungen, sondern schicken Nachrichten an deren Familien: „Dein Sohn schießt gerade auf die Töchter deiner Nachbarn. Willst du das wirklich?“ * Blumen statt Steine: Es gibt immer wieder Versuche, Soldaten Blumen in die Läufe zu stecken oder sie mit Namen anzusprechen. Das Ziel ist es, die kognitive Dissonanz zu erhöhen: „Ich schieße hier nicht auf ‚Terroristen‘, sondern auf die Enkelin meiner Lehrerin.“ Das System wirkt an einigen Orten, auch wenn die Pasdaran mittlerweile über Desertationseinheiten verfügen, die Jagd auf Abtrünnige machen, die Frage ist wie lange sie das aufrecht erhalten können. Denn auch innerhalb der Pasdaran deuten sich Risse an. Dazu kommt, dass viele nicht unbedingt mit dem sinkenden Schiff untergehen möchten, sie also nur die Wahl zwischen einem Genozid am eigenen Volk haben oder sich aus dem Staub machen oder dem Protest anschließen trotz Konsequenzen.

Die Verzweiflung der Menschen die explodiert und weiter auf dem Vormarsch ist

Das macht sich die Gegenseite zu nutze, indem sie Gerüchte verbreitet, beispielsweise dass die Machthaber aus dem Land dem Land fliehen, während sie am Ende an den Baukränen landen. Das wäre eine Möglichkeit massiv mit AI generierten Stories das Land zu fluten, denn die Macht der Mullahs basiert auf einem System des gegenseitigen Misstrauens weil die Basidsh sich an allen Bereichen der Gesellschaft bewegt, so weiß niemand ob der Nachbar eventuell ein Spitzel des Systems ist. Man erzählt öffentlich, dass hohe Generäle bereits ihre Familien und ihr Gold ins Ausland (Venezuela oder Russland) in Sicherheit gebracht haben. Die Botschaft dahinter ist, ,„Die Bosse retten sich, und ihr sollt hier für sie sterben und die Schuld auf euch laden.“ Das untergräbt die Kampfmoral massiv.

Es gibt Überlegungen in der Diaspora, Streikkassen und Fonds für überlaufende Soldaten einzurichten.

  • Da viele Basidsch nur wegen des Geldes und der Privilegien dabei sind, ist die Strategie simpel: Wenn die Opposition garantieren kann, dass die Familie eines Deserteurs nicht verhungert, fällt das Hauptargument für die Loyalität weg.

Auch wurden Kanäle geschaffen auf denen sich Milizen melden können sollten sie überlaufen wollen aber sich noch nicht sicher sind. Es wäre sinnvoll, wenn sich Staaten einen Fond einrichten würden und das Geld den Protesten zur Verfügung stellen, so dass die Leute genügend Geld haben, um den Aufstand fortzusetzen und steigende Preise zahlen können. Man muß also einen Weg finden, wie man das Geld den Menschen zugänglich macht und das so schnell wie möglich denn die Zeit ist fast da, worauf die irren Mullahs all die Jahrzehnte gewartet haben, die Ankunft des Mahdi in Form des Untergangs ihres eigenen Volks. Und es macht keinen Sinn zu versuchen, sie durch Appeasement davon abzuhalten. Jetzt ist nicht mehr die Zeit zu Reden, es ist die Zeit unerbittlich zu handeln!

Zum Abschluss ein Text aus dem Iran, der die Lage noch einmal verdeutlicht

„Hallo. Heute ist es mir mit großen Schwierigkeiten gelungen, nach fast zwei Wochen wieder eine Verbindung über das Festnetz-Internet herzustellen, aber das mobile Internet ist weiterhin vollständig abgeschaltet. Ich kann nur Textnachrichten senden. Es ist absolut unmöglich, Audio- oder Videonachrichten zu verschicken.

Ich habe die schlimmsten, schlimmsten, schlimmsten Tage meines Lebens erlebt. Nach dem, was ich gesehen und erfahren habe, glaube ich nicht, dass ich jemals wieder derselbe Mensch sein werde wie zuvor. Das ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Sagt der ganzen Welt, dass hier ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen wurde. Tausende unschuldige Menschen wurden getötet – Menschen, die noch vor zwei Wochen unter uns waren. Millionen von Menschen sind in Trauer und verletzt zurückgeblieben.

Die Islamische Republik hat die Straßen in Blutströme verwandelt. Hier wurden unschuldige junge Menschen und Kinder getötet. Niemand war in der Lage, das Ausmaß der Verbrechen zu zeigen, weil das Regime das Internet abgeschaltet hat.“

„Bevor auch die geringe Internetverbindung, die ich noch habe, wieder gekappt wird, sage ich euch das: Sagt der ganzen Welt, dass das Regime hier Tausende unschuldiger Menschen massakriert hat. Wir trauern – aber wir dürfen nicht einmal trauern.

Ich weiß, was Iraner auf der anderen Seite (außerhalb Irans) tun. Aber es reicht nicht. Hier ist das Ausmaß der Verbrechen enorm. Im Moment erleben wir eine schwere Erstickung. Wir haben kein Recht zu berichten oder zu sprechen. De facto herrscht das Kriegsrecht. Ich ersticke. Wir im Iran sind 80 Millionen Geiseln dieses Regimes. Die Welt muss jetzt handeln.“

— Einwohner von Fardis, Provinz Alborz, Iran

Montag, 19. Januar 2026

Nachrichten aus dem Iran auf X von @nida_banou geteilt

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