Wie jedes Jahr wird Heute der Reichskristallnacht gedacht, die den Auftakt zur Vernichtung der europäischen Juden bildete, und wenn man eines perfekt beherrscht, dann die Erinnerungskultur. Über die ganze Republik verteilt werden Leute aus den Altersheimen entführt, oder Juden geholt, um der Gemeinde den Ablassstempel zu erteilen.

Das Event „rent a Jew“ findet zweimal statt, am 27. Januar dem Tag der Befreiung von Auschwitz und halt am 9. November. Gern hören die Politiker zu wenn jene, die unter Holocaust, oder ständigem Antisemitismus gelitten haben, oder noch leiden, ihnen bescheinigen alles richtig gemacht zu haben. Dann folgt die Lobpreisung der Politiker, mit dem Versprechen „Nie wieder“ und das man gerade jetzt, wo die Ablehnung der jüdischen Mitbürger wieder steigt, nicht wegschauen darf, sondern die Zivilgesellschaft diesem Zustand die Stirn bieten muss. Kurz nach dem Ende der Veranstaltung sind die mahnenden Worte wieder vergessen – Business as usual sozusagen.
Ja, man braucht sie, nicht als mahnendes Gewissen, sondern als diejenigen die bescheinigen dass Deutschland aus der Geschichte gelernt hat. Der Publizist Max Czollek beschrieb in einem lesenswerten Beitrag für das BpB das, wie er es nannte, Versöhnungstheater, denn wie er richtig schreibt, man redet über sich und seine Schuld, an dessen Ende die Absolution durch den Gast steht.
Wenn F.W. Steinmeier sagt, „Doch zugleich bin ich erfüllt von Dankbarkeit: für die ausgestreckte Hand der Überlebenden, für das neue Vertrauen von Menschen in Israel und der ganzen Welt, für das wieder erblühte jüdische Leben in Deutschland,“ warum muss er dann jemanden wie Omri Boehm zu einem Staatsbesuch in Israel mitnehmen? Boehm ist nicht dafür bekannt, der israelischen Gesellschaft in Liebe nahezustehen, im Gegenteil veröffentlichte er sein Buch „Israel eine Utopie“ ausgerechnet in Deutschland, ganz einfach weil Israelkritische Texte in Deutschland große Zustimmung finden, besonders wenn sie von einem Juden stammen, noch dazu im israelischen Gilon geboren. Was kann einem besseres passieren?

Die Wiedergutwerdung der Deutschen, wie es der leider viel zu früh verstorbene Eike Geisel einmal beschrieb, lebt praktisch von Aufführung zu Aufführung und das Holocaust Mahnmal, eine Stätte die dem Gedenken dienen soll ist zur hippen Eventecke einer verwöhnten Jugend verkommen, deren Eltern meist weit nach dem Krieg geboren wurden und deren Großeltern entweder zu jung, bei Kriegsende, oder nach Kriegsende geboren wurden. Der Urgroßvater war auch nicht im Reichssicherheitshauptamt beschäftigt, sondern hatte einen Schreibtischjob bei der Regierung, der Reichsbahner hatte mit Logistik zu tun.
Im Grunde, wenn man so nachdenkt, dann hat die Aufarbeitung schon 1945 begonnen, bei manchen direkt nach der Entnazifizierung. Die Österreicher waren Opfer, die DDR ausschließlich Widerstandskämpfer oder, um Adenauer zu zitieren: „Wir sollten jetzt mit der Naziriecherei einmal Schluss machen, denn, verlassen Sie sich darauf, wenn wir damit anfangen, weiß man nicht, wo es aufhört.“ – er hat übrigens auch den Satz geprägt, dass er das Gefühl habe, alle Deutschen seien im Exil gewesen.
Irgendwann jedoch wurde die deutsche Geschichte, besonders die NS-Zeit eine reiche Quelle für Historiker, also erfand man den guten Deutschen und dieser gedenkt den Juden, also den Toten.
Übrigens geht die Tournee am 27. Januar 2022 weiter und man kann wieder Vertreter der Linken im Bundestag sehen, die offensichtlich nicht begriffen haben wer Auschwitz erfunden hat, wenn sie demonstrativ sitzen bleiben weil ein Überlebender des Holocaust, oder ein israelischer Politiker eine Rede vor dem Bundestag hält.
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